KLAVIER-ATELIER


Der Brahms-Flügel
Die Restaurierung des Brahms-Flügels aus dem Hause Fellinger, Wien

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Zur Geschichte dieses Instrumentes

Der kreuzsaitige, 240 cm lange schwarze Flügel mit Wiener Mechanik der Marke J. B. Streicher & Sohn, Seriennummer 8105, wurde 1880 erbaut. Er stand im Hause Dr. Richard und Maria Fellingers, dem sogenannten „Arenbergschlössl“ in Wien III, Apostelgasse 12. Dort fühlte sich Brahms im privaten Freundeskreis sehr wohl und musizierte gemeinsam mit Klarinettisten Richard Mühlfeld, dem Cellisten Robert Hausmann und vielen anderen Künstlern.



Richard Hausmann, Brahms, Maria Fellinger
Historisches Bildmaterial: Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien

Am 2. Dezember 1889 fanden einzigartige phonographische Aufnahmen des Klavierspiels von Brahms bei Dr. Richard Fellinger, der Generaldirektor von Siemens & Halske in Österreich war, durch Theo Wangemann als Vertreter Edisons statt. Brahms hatte zu diesem Zweck seine Rhapsodie op. 79, Nr. 2 eingeübt. Durch die langwierigen Vorbereitungen ungeduldig geworden, spielte Brahms eine gekürzte Version seines ungarischen Tanzes WoO 1, Nr.1. Als zweites Stück spielte Brahms bei der Aufnahme eine eigene Paraphrase der Polka Mazur „Die Libelle“, op. 204 von Joseph Strauß. (Siehe dazu die CD „Brahms spielt Klavier – Aufgenommen im Hause Fellinger 1889“ aus dem Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Tondokumente aus dem Phonogrammarchiv, Reihe Historische Stimmen aus Wien, Vol.5. Diese CD enthält ein Interview mit Dr. Imogen Fellinger, der letzten Besitzerin des Flügels, über den Hergang der Aufnahme, das Dr. Gerda Lechleitner 1996 geführt hat.
Zur Identifizierung der „Libelle“ siehe: Helmut Kowar, Zum Klavierspiel Johannes Brahms’, in Brahms Studien 8, Wien 1990).
Im Hause Fellinger fanden auf diesem Flügel auch zahlreiche Uraufführungen Brahms'scher Werke im privaten Kreis statt. Die Fotos zeigen Brahms an dem Fellingerschen Flügel, auch gemeinsam mit Robert Hausmann und Maria Fellinger, sowie Mitglieder der Familie Fellinger im Musiksalon.


Brahms, Maria Fellinger
Historisches Bildmaterial: Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien

Der Flügel war zuletzt im Privatbesitz der Urenkelin von Dr. Richard und Maria Fellinger, Frau Dr. Imogen Fellinger in München.
Frau Dr. Imogen Fellinger, die im November 2001 in Ihrem Haus in Perchting am Starnbergersee plötzlich verstarb, vermachte den Flügel neben ihrer gesamten Musikbibliothek dem Brahms-Museum in Mürzzuschlag.



Mitglieder der Familie Fellinger
Historisches Bildmaterial: Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien



Die Ausstattung des Musiksalons zeigt besonders die schon fast kulthafte Verehrung für Brahms
Historisches Bildmaterial: Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien


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Die restauratorischen Maßnahmen


Wir wurden nun mit der äußerst ehrenvollen Aufgabe betraut, diesen Flügel in seiner klanglichen wie optischen Erscheinung wiederherzustellen. Das Instrument wurde vor etlichen Jahren mit unadäquatem Saitenmaterial neu bezogen, wobei besonders der Baß verändert wurde - Streicher's Bässe sind immer mit Eisen bzw. Messing (für die tiefsten fünf, manchmal sieben Töne) umsponnen, nicht mit Kupfer, wie es heute üblich ist und hier auch vorgefunden wurde. Natürlich hat die Wahl des Gespunstmateriales Auswirkungen auf den Klang, daher werden die Baß-Saiten wieder nach den Vorbildern nachgefertigt; für die glatten Saiten wird Draht verwendet, der etwas weicher ist als der moderne.

Die Mechanik ist in einem guten und vor allem völlig originalen Zustand (sogar die Hammerleder sind noch erhalten), sodaß hier nur gründliche Reinigung und Regulierung notwendig sind.

Eine besonders aufwändige Arbeit ist die Gehäuserestaurierung, weil der Flügel mit schwarz durchgebeiztem Birnenholz, welches leicht zu politieren ist, furniert ist. Das beizende Säurebad zerstört allerdings mit den Jahren die Holzstruktur, sodaß das Furnier sehr brüchig wird und viele Furnierstücke absplittern oder herausbrechen und daher ergänzt werden müssen. Weiters ist die schwarze Politur an vielen Stellen ausgebleicht und matt und muß daher aufgefrischt werden.


Links: Die Spuren des Verfalls zeigen sich besonders im Gehäuse.
Auf den Bildern sieht man, wie erwähnt, die vielen herausgebrochenen Furnierstücke und Massivholzteile.
Mitte: Besonders dramatisch ist die Situation an der Innenseite der Stoßwand
Rechts: Aber die Klaviatur ist dafür in einem wunderbaren Zustand!


Der restaurierte Flügel im Konzertsaal des Brahmsmuseums

Es ist dies nicht der erste authentische Brahmsflügel, der vom Klavieratelier restauriert wird. Das Brahmsmuseum in Mürzzuschlag besitzt auch einen Flügel von Wilhelm Bachmann (Wien, um 1855), der von Brahms einige Male während seines Sommeraufenthaltes in Mürzzuschlag gespielt wurde. Dieser Flügel wurde von uns im Jahre 1994 gründlich überarbeitet; seither ist er oft in den Konzerten und CD-Aufnahmen des Brahmsmuseums zu hören gewesen.


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Link: www.brahmsmuseum.at
e-mail: info@brahmsmuseum.at




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